Am gestrigen Mittwoch veranstaltete das KKRBB erstmals eine entitätenspezifische Qualitätskonferenz zu Lebertumoren. Lebertumoren gehören zu den selteneren Tumorarten (bei Männern an 12. Stelle, bei Frauen an 16./17. Stelle bei den Neuerkrankungsraten in Brandenburg und Berlin).
Einleitend stellte Dr. med. Constanze Schneider Daten des Krebsregister Brandenburg-Berlin zu Lebertumoren vor, wobei hier zu differenzieren ist zwischen hepatozellulären Tumoren (HCC) und intrahepatische Cholangiokarzinom (iCCC), welche sich sowohl in der Prognose als auch den Therapieempfehlungen unterscheiden. Gezeigt wurden neben allgemeinen epidemiologischen Daten (Erkrankungs- und Überlebensraten) auch Daten zur Therapie, Leitlinienadhärenz, Behandlungsqualität sowie Patientenströmen.
Letztere lassen laut Krebsregisterdaten erkennen, dass Patient:innen aus Brandenburg Operationen sowie radiologische und nuklearmedizinische Behandlungen überwiegend in Berlin durchführen lassen, während systemische Therapien häufig in Brandenburg erfolgen. Beim HCC überwiegen Männer deutlich gegenüber Frauen, beim iCCC sind Männer und Frauen etwa gleichverteilt.
Anschließend referierte Prof. Dr. med. Nathanael Raschzok von der Charité Berlin über die chirurgische Therapie des HCC. Hierbei wird für Patient:innen mit HCC in Nicht-Zirrhose eine minimalinvasive Resektion empfohlen, wohingegen Patient:innen mit HCC und Zirrhose das beste Überleben nach einer Lebertransplantation zeigten. Jene sollten allerdings unter 70 Jahre alt sein und keine Fernmetastasen aufweisen, um für eine Transplantation in Frage zu kommen.
Zum Abschluss berichtete Prof. Dr. med. René Mantke von der Medizinischen Hochschule Brandenburg, der die Veranstaltung wissenschaftlich leitete und moderierte, über die Möglichkeit der palliativen Darmresektion beim kolorektalen Karzinom im fernmetastasierten Stadium. Hierbei betonte er die Bedeutung der Krebsregisterdaten als Abbild der Versorgungsrealität und wertvolle Ergänzung zu randomisierten klinischen Studien.
Die zweistündige Konferenz bot ein spannendes Programm aus Kennzahlen zur Behandlungs- und Versorgungslage von Betroffenen, wissenschaftlichen Vorträgen und lebhaften Diskussionen mit medizinischem Fachpublikum aus dem ambulanten und stationären Bereich in Brandenburg und Berlin. Wir danken allen Anwesenden für den interdisziplinären Austausch.
Die Vorträge der entitätenspezifischen Qualitätskonferenz zu Leber-Tumoren finden Sie hier.