Weiterhin hohe Zahlen: 355.000 Hautkrebsfälle im Jahr 2026 erwartet

Deutschlandweit bleibt Hautkrebs die häufigste Krebserkrankung: Für 2026 werden rund 355.000 Neuerkrankungen erwartet. Ein Großteil entfällt auf den oft unterschätzten weißen Hautkrebs, der in vielen Statistiken bislang nur unvollständig erfasst ist. Darauf weist der Deutsche Krebsregister e.V. anlässlich des Hautkrebs-Awareness-Monats Mai hin und informiert über aktuelle Trends, Datenlücken und Möglichkeiten der Prävention.

Lübeck, 29.04.2026 – Wenn von Hautkrebs die Rede ist, denken viele Menschen zunächst an den schwarzen Hautkrebs, also das Melanom. Tatsächlich entfällt jedoch ein großer Teil der Erkrankungsfälle auf den weißen Hautkrebs. Genau dieser wird in Deutschland nicht überall einheitlich registriert und taucht deshalb in vielen Krebsstatistiken nur unvollständig auf.

Hautkrebs: hohe Fallzahlen und unterschiedliche Krankheitsbilder

Für das Jahr 2026 werden in Deutschland rund 355.000 neue Hautkrebserkrankungen erwartet. Die Zahl für Hautkrebs insgesamt liegt damit weiter auf sehr hohem Niveau. In dieser Zahl sind sowohl invasive Tumoren als auch Frühformen berücksichtigt. Für das invasive Melanom, also den schwarzen Hautkrebs, werden rund 29.400 Neuerkrankungen erwartet. Die Schätzung basiert auf gepoolten Daten mehrerer Landeskrebsregister sowie aktuellen Bevölkerungsprognosen für Deutschland und umfasst sowohl invasive Tumoren als auch In-situ-Formen.

„Wenn wir in der Öffentlichkeit über Hautkrebs sprechen, dürfen wir nicht nur auf das Melanom schauen. Der weiße Hautkrebs macht den weitaus größten Teil der Erkrankungen aus, wird aber in vielen Statistiken nur unvollständig sichtbar. Dadurch wird die tatsächliche Krankheits- und Versorgungslast häufig unterschätzt“, sagt Prof. Dr. Alexander Katalinic, von der Universität zu Lübeck und zweiter Vorsitzender des Deutschen Krebsregister e.V.

Weißer Hautkrebs ist dabei nicht gleich weißer Hautkrebs. Am häufigsten ist das Basalzellkarzinom. Es wächst meist langsam und streut nur selten, verursacht wegen seiner sehr hohen Fallzahlen aber eine erhebliche Belastung für die medizinische Versorgung. Das Plattenepithelkarzinom ist etwas seltener, betrifft vor allem ältere Menschen und kann aggressiv verlaufen. Wer über weißen Hautkrebs spricht, sollte deshalb diese Unterschiede beachten.

Zur Krankheitslast zählen auch die frühen Tumorstadien (in situ), etwa beim Melanom oder Plattenepithelkarzinom. Dabei sind veränderte Zellen noch nicht in tieferes Gewebe eingewachsen, erhöhen aber bereits die Zahl der zu behandelten Fälle.

Datenlage und Entwicklung der Fallzahlen

Ein zentrales Problem bleibt die Datenlage. Während das Melanom in Deutschland weitgehend vollständig in den Landeskrebsregistern erfasst wird, ist die Dokumentation des weißen Hautkrebses heterogen. Bundesweite Aussagen beruhen daher teilweise auf Hochrechnungen aus denjenigen Ländern, in denen belastbare Daten vorliegen. Viele allgemeine Krebsstatistiken blenden weißen Hautkrebs zudem ganz aus – obwohl er zahlenmäßig zu den häufigsten Krebserkrankungen gehört.

Auch der Blick auf die Entwicklung zeigt eine klare Tendenz. Nach einem Anstieg bis etwa 2015 und einer Phase stabiler Zahlen ist seit 2019 wieder ein Wachstum zu beobachten. Besonders im höheren Lebensalter steigen die Erkrankungsraten weiter an. Damit wird Hautkrebs zu einem Thema des demografischen Wandels. Auch für die nächsten Jahre ist mit einem weiteren Anstieg der absoluten Fallzahlen zu rechnen.

Prävention und Forderungen

Der Deutsche Krebsregister e.V. fordert daher: Hautkrebs darf nicht nur auf das Melanom reduziert werden. „Wenn wir Prävention und Versorgung realistisch planen wollen, müssen wir den weißen Hautkrebs viel stärker berücksichtigen“, so Katalinic, „sonst unterschätzen wir die tatsächliche Belastung für das Gesundheitssystem.“

Für die Bevölkerung gibt es eine klare Botschaft: UV-Schutz kann Hautkrebs wirksam vorbeugen. Schatten, schützende Kleidung, Kopfbedeckung und Sonnenschutz reduzieren das Risiko deutlich.

Gesetzlich Versicherte können derzeit ab einem Alter von 35 Jahren alle zwei Jahre ein Hautkrebsscreening in Anspruch nehmen. Die Bundesregierung berät aktuell über dessen Überprüfung und Weiterentwicklung.

Kurz erklärt

  • Schwarzer Hautkrebs: Malignes Melanom, kann tödlich verlaufen
  • Weißer Hautkrebs: Vor allem Basalzellkarzinome und Plattenepithelkarzinome, häufig,
    meist gut behandelbar
  • In situ: Frühform, bei der veränderte Zellen noch nicht in tieferes Gewebe
    eingewachsen sind

Hintergrundgrafiken: 

Abb. 1: Absolute Hautkrebsfallzahlen in Deutschland: Hochrechnungen und Prognosen für 2013–2026.

Hochrechnung Deutschland auf Basis des ZfKD-Datensatzes, 2026
Melanom: Pool aus den Bundesländern BB, BE, BW, HE, HH, MV, NI, NRW, RLP, SH, SL, SN
Weißer Hautkrebs: Pool aus den Bundesländern: HB, MV, NI, SL, SN, SH

Abb. 1: Altersstandardisierte Inzidenzraten (Fälle pro 100.000 Einwohner und Jahr; Europastandard 2013) Malignes Melanom und nicht-melanozytärer Hautkrebs im Zeitverlauf (2013–2023).

Deutsche Krebsregister e.V. (DKR)

Der Deutsche Krebsregister e.V. (DKR) wurde im Mai 2024 als Nachfolgeorganisation der Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland (GEKID) gegründet. Mitglieder sind alle Landeskrebsregister in Deutschland, unabhängig von ihrer Ausrichtung (epidemiologisch, klinisch oder integriert). Der Verein gliedert seine Arbeit in die Sektionen „Krebsregistrierung“ sowie „Auswertung und Forschung“ und fördert die Standardisierung der bundesweiten Krebsdokumentation. Ziel ist eine verbesserte Vergleichbarkeit der Registerdaten und eine nachhaltige Unterstützung der Krebsbekämpfung. Die vom DKR koordinierten Auswertungen liefern wertvolle Erkenntnisse für Forschung, Prävention und gesundheitspolitische Entscheidungen.

Pressekontakt

Deutsche Krebsregister e.V.
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23562 Lübeck
E-Mail: presse@dkr.de
Website: www.dkr.de

Fachkontakt
Prof. Dr. Alexander Katalinic
Direktor des Institutes für Sozialmedizin und Epidemiologie
Institut für Krebsepidemiologie e.V. (Registerstelle des Krebsregister Schleswig-Holstein) /
Universität zu Lübeck
Tel +49 451 500 51200
E-Mail: alexander.katalinic@uksh.de

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