Am 17. Juni 2026 fand die entitätenspezifische Qualitätskonferenz zu Sarkomen des KKRBB als Onlineveranstaltung statt.
Aktuelle Entwicklungen bei den Meldewegen
Zum Auftakt gab Daniela Schlichting, Leiterin des Fachbereichs Datenerfassung, einen kurzen Überblick über die Meldewege. Dabei wurde vor allem die Überarbeitung des Meldeportals und die daraus resultierende Vereinfachung der Dateneingabe und Übermittlung der Meldung für Meldende vorgestellt. Alle Informationen zu den Änderungen des Meldeportals finden Sie hier zusammengefasst.
Im Anschluss präsentierte Dr. Constanze Schneider, Leiterin des Fachbereichs Auswertung und Datennutzung, anschaulich die Krebsregisterdaten zu Weichgewebesarkomen. Sarkome zählen mit einem Anteil von etwa 1 % aller malignen Erkrankungen im Erwachsenenalter zu den seltenen Tumorerkrankungen. Gleichzeitig umfasst diese Tumorgruppe mehr als 100 histologische Subtypen.
Bei diesen wurden die gastrointestinalen Stromatumoren (GIST), uterine Sarkome sowie die Gruppe der übrigen Weichgewebesarkome näher vorgestellt im Hinblick auf die Entwicklung von Erkrankungszahlen, Erkrankungsalter, Stadienverteilung, Therapie, Qualitätsindikatoren und Prognose. Das relative 5-Jahres-Überleben variiert deutlich zwischen den Sarkomsubtypen. Die höchsten Überlebensraten finden sich bei GIST (89 % bei Frauen, 85 % bei Männern), während sie bei uterinen Sarkomen mit 49 % vergleichsweise niedrig ausfallen. Für die übrigen Weichgewebesarkome liegen sie im Mittel bei 61 % bzw. 64 %, wobei auch hier erhebliche Unterschiede zwischen den Subtypen bestehen.
Herausforderungen in der Diagnostik und Therapie
Die große Heterogenität der Sarkome stellt die Diagnostik und Therapie vor besondere Herausforderungen, wie MUDr. Jack Eaton, Facharzt für Pathologie am Vivantes Klinikum im Friedrichshain, in seinem Vortrag zur histopathologischen Diagnostik maligner Knochen- und Weichteiltumoren bekräftigte.
Insgesamt lassen sich 142 Entitäten bei Weichteilsarkomen und 42 Entitäten bei Knochensarkomen differenzieren. Dies macht eine interdisziplinäre Diagnostik geradezu erforderlich. Im Falle von Uneinigkeiten zwischen pathologischen Befunden, Bildgebung und Klinik sei es ratsam, ähnlich wie in einem Tumorboard, Ergebnisse aus verschiedenen Fachrichtungen zu betrachten und die fachliche Expertise zu bündeln.
Aktuelle Entwicklungen in der Therapie von Sarkomen
Abschließend referierte Universitätsprofessorin Dr. Anne Flörcken aus dem Interdisziplinären Sarkomzentrum der Charité zu Therapiestandards bei Weichgewebe- und Knochensarkomen.
Aufgrund der Seltenheit einzelner Subtypen fehlen für viele Sarkome histologiespezifische Therapiestandards. Zudem stehen nur wenige klinische Studien zur Verfügung, sodass die Behandlung häufig auf multimodalen Therapiekonzepten basiert. Dabei werden verschiedene Verfahren wie Operation, Strahlentherapie und medikamentöse Therapie miteinander kombiniert.
Die Wahl der Therapie richtet sich unter anderem nach dem Grading des Tumors. So kann bei tiefliegenden High-Grade-Weichgewebesarkomen im Bauch- oder Beckenbereich sowie an den Extremitäten eine regionale Tiefenhyperthermie – die kontrollierte Erwärmung des Tumors auf etwa 42 °C – in Kombination mit einer neoadjuvanten Chemotherapie vor der Operation eingesetzt werden. Eine besondere Therapieform, die bisher nur bei Sarkomen zum Einsatz kommt.
Perspektivisch entwickelt sich die Behandlung zunehmend hin zu einer individualisierten, molekular gesteuerten Therapie. Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, dass therapierelevante molekulare Marker ebenfalls an das Krebsregister gemeldet werden. Professor Flörcken betonte, dass das KKRBB einen umfangreichen Datenschatz birgt, der vor allem für seltene Entitäten wie Sarkome von großem Nutzen sein kann.
Kommende Veranstaltungen des KKRBB
Entitätenspezifische Qualitätskonferenz zum Mammakarzinom
Mittwoch, den 16. September 2026
16:00 bis 18:00 Uhr | ONLINE
Entitätenspezifische Qualitätskonferenz zu gastrointestinalen Tumoren
Mittwoch, den 25. November 2026
16:00 bis 18:00 Uhr
Onlineveranstaltung (Webex-Konferenz)