Lungenkrebs bleibt eine der größten gesundheitlichen Herausforderungen – aktuelle Zahlen aus Brandenburg und Berlin zeigen deutliche Belastung
Ein Atemzug – selbstverständlich für die meisten Menschen. Doch für viele wird genau das zur täglichen Herausforderung: Lungenkrebs zählt weiterhin zu den häufigsten Krebserkrankungen. Anlässlich des Weltnichtrauchertages am 31. Mai macht das Klinisch-epidemiologische Krebsregister Brandenburg-Berlin (KKRBB) auf aktuelle Entwicklungen aufmerksam und zeigt: Die Zahlen bleiben alarmierend – und sie erzählen eine klare Geschichte.
Rauchen als zentraler Risikofaktor
Tabakkonsum ist nach wie vor die Hauptursache für Lungenkrebs. Schätzungen zufolge lassen sich rund 85–90 % der Erkrankungen direkt auf das Rauchen zurückführen. Dabei wirkt sich nicht nur aktives Rauchen aus – auch Passivrauchen erhöht das Risiko erheblich.¹ Umso wichtiger sind Prävention, Aufklärung und ein konsequenter Nichtraucherschutz.
Aktuelle Zahlen aus Brandenburg und Berlin
Die Auswertungen des Krebsregisters zeigen für das Jahr 2024:
- Brandenburg: 2.154 Neuerkrankungen
davon 1.341 Männer und 813 Frauen - Berlin: 2.929 Neuerkrankungen
davon 1.580 Männer und 1.349 Frauen
Auch die sogenannte 5-Jahresprävalenz – also die Anzahl der Menschen, die innerhalb der letzten fünf Jahre mit einer Lungenkrebserkrankung leben und nicht verstorben sind – unterstreicht die Dimension der Erkrankung:
- Brandenburg: 074 Männer und 1.515 Frauen
- Berlin: 738 Männer und 2.638 Frauen
Diese Zahlen verdeutlichen die anhaltend hohe Krankheitslast durch Lungenkrebs in beiden Bundesländern und zeigen zugleich, dass die Erkrankung nicht nur mit einer hohen Sterblichkeit einhergeht, sondern viele Menschen über Jahre hinweg betrifft und begleitet.
Regionale Unterschiede und Trends
Ein Blick auf die altersstandardisierten Erkrankungsraten zeigt regionale Unterschiede im Vergleich zum Bundesdurchschnitt:
- Deutschland (ZfKD, Datenstand 2023)²:
- Männer: 49,4 pro 100.000
- Frauen: 33,1 pro 100.000
- Brandenburg:
- Männer: 55,8 pro 100.000
- Frauen: 31,0 pro 100.000
- Berlin:
- Männer: 61,9 pro 100.000
- Frauen: 44,7 pro 100.000
Auffällig ist zudem die unterschiedliche Entwicklung zwischen den Geschlechtern: Während die Erkrankungsraten bei Männern seit dem Jahr 2000 langfristig zurückgehen, steigen sie bei Frauen in vielen Regionen weiter an. Dieser Trend spiegelt das veränderte Rauchverhalten vergangener Jahrzehnte wider.
Früherkennung kann Leben retten
Ein wichtiger Schritt im Kampf gegen Lungenkrebs ist die verbesserte Früherkennung. Lungenkrebs verursacht insbesondere in frühen Stadien häufig keine eindeutigen Beschwerden und wird daher oft erst in einem fortgeschrittenen, bereits fernmetastasierten Stadium diagnostiziert. Neue Screening-Ansätze für Risikogruppen – insbesondere für langjährige, aktive oder ehemalige Raucherinnen und Raucher mit medizinischem Eignungsprofil zwischen 50 und 75 Jahren – bieten die Chance, Tumoren in früheren und damit noch besser therapierbaren Stadien zu entdecken und damit die Überlebenschancen zu erhöhen.
Seit dem 1. April 2026 ist das Lungenkrebsscreening eine offizielle Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung. Die jährliche Untersuchung erfolgt mittels Niedrigdosis-Computertomographie (LDCT) und ist für anspruchsberechtigte Versicherte kostenlos.³
Für saubere Luft und eine gesunde Umwelt
Der Weltnichtrauchertag erinnert nicht nur an die gesundheitlichen Folgen des Rauchens, sondern auch an die Bedeutung sauberer Luft für alle Menschen. Tabakkonsum ist dabei nicht nur ein individuelles Gesundheitsrisiko, sondern trägt auch zur Belastung der Umwelt und der Lebensqualität im öffentlichen Raum bei. Jede vermiedene Zigarette ist damit ein Beitrag zu mehr Gesundheit, mehr Lebensqualität und einer besseren Umwelt für alle.
Weiterführende Informationen
Im Rahmen der im März 2026 stattgefundenen Qualitätskonferenz des KKRBB zum Lungenkarzinom wurden aktuelle Krebsregisterdaten sowie Entwicklungen in Diagnostik, Therapie und Versorgung umfassend vorgestellt und diskutiert.
Die Vorträge der Veranstaltung stehen online zur Verfügung:
Vorträge der Qualitätskonferenz
Quellen:
¹ Zentrum für Krebsregisterdaten (ZfKD) am Robert Koch-Institut (RKI), https://www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Krebsarten/Lungenkrebs/lungenkrebs_node.html
² Zentrum für Krebsregisterdaten (ZfKD) am Robert Koch-Institut (RKI), https://www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Krebsarten/Lungenkrebs/lungenkrebs_node.html
³ Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), https://www.kbv.de/praxis/patientenversorgung/praevention/lungenkrebs-screening?utm_source=chatgpt.com
Datenstand:
Klinisch-epidemiologisches Krebsregister Brandenburg-Berlin, Auswertungsstand April 2026